Geduld mit den jungen Spielern

Geduld mit den jungen Spielern

Der SC Hauenstein setzt seit seinem freiwilligen Rückzug aus der Fußball-Oberliga vor knapp eineinhalb Jahren verstärkt auf die eigene Jugend. Gleich sechs Spieler im Verbandsligakader des Sportclubs, der nächstes Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert, waren vergangene Saison noch A-Junioren. Und sie erleben schwierige Zeiten. Der SCH ist mit nur einem Sieg aus elf Partien Tabellenletzter, steht daher im Kellerduell am Sonntag (Anstoß: 15.30 Uhr) bei der einen Platz und drei Punkte besseren SG Rieschweiler unter Druck.

Obwohl dem Ex-Regionalligisten ausgerechnet zum Vereinsjubiläum der Abstieg in die Landesliga West droht, haben Kevin Burkhard (18), David Jung (19), Tim Scherer (18), Alexander Port (19), der momentan verletzte Luca Wick (19) und der aktuell urlaubende Janik Hunsicker (19) ihren Optimismus keineswegs verloren. Gleichwohl haben alle gravierende Unterschiede zum Jugendfußball ausgemacht. „Das Tempo ist viel höher und Fehler werden sofort bestraft“, sagt der Wilgartswiesener Jung, der gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr im Kindergarten und der Grundschule des Hauensteiner Nachbarorts absolviert. Jung ist seit 2016 im Verein und erfüllt wie alle anderen die „Kriterien“ des Vereins: Er kommt aus der eigenen Jugend und wohnt in der näheren Umgebung.Der in Vorderweidenthal wohnende Lehramtsstudent Alexander Port ist seit fünf Jahren beim SCH und führt folgenden Unterschied zu seiner Jugendspielerzeit an: „Man steht viel mehr in der Öffentlichkeit. Ich werde auch ständig auf die aktuelle Lage angesprochen.“

Luca Wick aus Thaleischweiler-Fröschen ist ausgebildeter Immobilienkaufmann. Er muss wegen einer Sprunggelenkverletzung pausieren und hat am eigenen Leib erfahren, dass es „viel körperlicher zugeht als in der A-Jugend“.

Aus Obersimten kommt Tim Scherer, der sich im dritten Lehrjahr zum Elektriker ausbilden lässt. Er hat festgestellt, dass es „sehr viele routinierte Spieler“ als Gegner gibt.

Zum Thema Erfahrung sagt der in Rumbach wohnende angehende Physiotherapeut Kevin Burkhard: „Natürlich brauchen wir noch Zeit. Von erfahrenen Spielern können wir profitieren. Aber wenn jetzt ein erfahrener Akteur dazu kommt, kann er es sicher alleine auch nicht richten“. Ein grundsätzliches Qualitätsproblem gebe es nicht.

„Die Qualität ist vorhanden. In manchen Situationen fehlt es bisweilen an Erfahrung. Ein Sebastian Stanjek hat letzte Saison mit seiner Routine auch mal die anderen mitgerissen“, bestätigt Wick. Den vom Verein eingeschlagenen Weg hält Wick für „absolut richtig“.

Vor dem eminent wichtigen Spiel in Rieschweiler haben die Youngster die wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg erkannt. „Das wird eine Kopfsache. Da zeigt sich, wer verstanden hat, um was es geht“, sagt Burkhard. Jung fordert „Leidenschaft“, Scherer „Kampfgeist“, und Wick will sehen, dass „jeder für jeden“ läuft. „Unser Nervenkostüm ist okay. Das hat man auch in Morlautern gesehen“, betont Port.

Dass Hauenstein bisher nicht unbedingt vom Glück begünstigt wurde, darüber sind sich die jungen Spieler einig. „Ich hoffe, dass das jetzt in den Derbys besser wird“, sagt Mittelfeldspieler Scherer. „Gerade gegen Gau-Odernheim und Waldalgesheim hatten wir viel Pech“, blickt Verteidiger Wick zurück. Jung, der in der Abwehr bisher die meisten Einsatzzeiten bekam, sieht „eine stetige Verbesserung“. Auch Burkhard, der als Innenverteidiger und Mittelfeldspieler bereits gute Auftritte hinlegte, sieht den Fortschritt: „Die Einsatzzeiten sind da, die Nervosität wird weniger.“

Über übermäßigen Druck klagt niemand. In der Tat zeigt sich das Hauensteiner Publikum sehr geduldig mit den jungen Spielern. „Wir werden eher noch in Schutz genommen“, bestätigt Port. „Wir sind auch nach Niederlagen im Sportheim, bekommen viele Tipps, vor allem von AH-Spielern“, sagt Wick, der bereits seit 2013 im Verein spielt.

Ein Abstieg wäre keinem Spieler egal. Und dann einfach abzuhauen, sei kein Thema. „Dazu sind wir gar nicht die Typen, bei einem Abstieg einfach zu gehen“, stellt Port klar. Defensivmann Jung hätte „gar kein Problem“ damit, bei einem Abstieg zu bleiben. Burkhard, seit 2012 und damit am längsten im Club, versichert: „Ich glaube nicht an einen Abstieg.“

Bericht aus der Rheinpfalz Pirmasens von Peter Seibel.